Newsletter 12. Januar 2026
Förderung einer Niedrigwasserfähre nicht beschlossen
In verschiedenen Medien wurde eine Mitteilung des Landtagsabgeordneten Philipp Meyn
(SPD) über die Aufnahme einer Niedrigwasserfähre in ein Programm des Landes Niedersachsen zur
Förderung kommunaler Straßen und Radwege verbreitet. U.a. im anghängte Artikel in der
Landeszeitung Lüneburg vom 10.11.2026.
Hierzu ist eine Klarstellung erforderlich:
1. Die Landesregierung hat nicht „beschlossen“, eine Niedrigwasserfähre zu fördern.
2. Sie hat lediglich das Projekt „Niedrigwasserfähre“ in ein Jahresprogramm aufgenommen, weil
der Landkreis Lüchow-Dannenberg die Baureife* einer solchen Niedrigwasserfähre gemeldet hat.
Ob die Niedrigwasserfähre
• förderfähig,
• rechtlich tragfähig,
• raumordnerisch zulässig (Das gültige LROP fordert eine Brücke)
ist, wird erst im eigentlichen Förderverfahren geprüft – nicht im Jahresprogramm.
Damit ist die Kernaussage der PM von MdL Meyn:
„Landesförderung ermöglicht neue Niedrigwasserfähre“
mindestens irreführend, weil sie Ursache und Wirkung vertauscht.
Richtig wäre verwaltungslogisch:
„Der Landkreis Lüchow-Dannenberg hat ein Projekt als baureif gemeldet; daraufhin wurde
es in das NGVFG-Jahresprogramm aufgenommen. Über die tatsächliche Förderung ist damit
noch nicht entschieden.“
* Unserer Auffassung nach fehlten für die Baureife zum 1. Oktober 2025 jedoch zentrale
Voraussetzungen wie verbindliche Beschlüsse z. B. über die Finanzierung und vertragliche
Grundlagen. Baureife wurde so zur Behauptung, nicht zum Zustand. Die eigentliche Förderprüfung,
die diesen Mangel aufdecken wird steht erst noch an.
Was die Artikel im Übrigen komplett ausblenden, ist die entscheidende praktische Frage:
Die groß angekündigte Verbesserung durch den Kauf einer neuen Fähre würde nur dann eintreten,
wenn tatsächlich wiederholt extrem niedrige Wasserstände eine Überfahrt unmöglich machen.
Genau dieses Szenario wird bemüht, um das Projekt zu rechtfertigen.Ein kurzer Blick aus dem
Fenster genügt allerdings, um die aktuelle Lage einzuordnen:
Eisgang auf der Elbe,
Schneesturm, Winterbetrieb. Die Fähre fällt nicht allein wegen Niedrigwasser aus, sondern wegen
genau jener Witterungslagen, die seit Jahrzehnten bekannt sind, immer mal wieder vorkommen und
mit keiner neuen Fähre in Neu Darchau verschwinden werden. Besonders auffällig bleibt daher die
Ankündigung einer „erheblichen Reduzierung der Ausfallzeiten“. Diese Verbesserung träte nur
dann ein, wenn Niedrigwasser das zentrale strukturelle Problem wäre. Eine neue Fähre ändert nichts
Grundsätzliches an den Auswirkungen der realen Naturgesetze.
Die strukturellen Probleme der Region Nordost-Niedersachsens, eine zukunftsorientierte
Entwicklung der Wirtschaft und gleiche Lebensverhältnisse beiderseits der Elbe werden sich nur
mit einer Brücke verwirklichen lassen, die rund um die Uhr und bei allen Wetterlagen eine
Querung der Elbe emöglicht.
Mit freundlichen Grüßen
Jörg Sohst